1. 20 Jahre in Småland # 1
    Hochländer

    20 Jahre in Småland



    Hej,
    seit über 20 Jahren haben wir unser Ferienhaus in Småland, wir haben uns bisher zusammengenommen über 6 Jahre hier aufgehalten.

    Das ist ein Zeitraum den man überblicken und feststellen kann, was sich so verändert oder auch nicht verändert hat.
    Ich will mal berichten was mir so in der gut zu überblickenden Vetlanda kommun und den angrenzenden Gebieten, bezogen auf den genannten Zeitraum so aufgefallen ist.
    Ich bin nicht so vermessen zu denken, dass meine Beobachtungen in irgendeiner Weise vollständig sind. Ich gebe hier nur meine rein subjektiven Beobachtungen wieder.
    Vielleicht ergibt sich ein Austausch und das Mitteilungsbedürfnis andere Teilnehmer dieses Forums wird angeregt.


    Vetlanda kommun, höglandet 1998-2019
    In Vetlanda gab es 1998 einen großen und einen kleinen ICA.
    Heute gibt es 4 große Supermärkte.
    1998 gab es einen kleinen Baumarkt.
    Heute gibt es 3 große Baufachmärkte
    Hinzu kommen 10 andere Fachmärkte die es früher nicht gab.
    Eine neue Vårdzentrale hat eröffnet.
    3 neue Umgehungsstrassen sind entstanden.
    4 neue Tankstellen eröffneten.
    Schwedische Autofahrer blenden grundsätzlich im Dunkeln zu spät ab und
    blinken links wenn sie in den Kreisverkehr einfahren.


    Am Anfang gab es sommers wie winters unzählige Auktionen, innen und aussen,
    eine vielbesuchte schwedische Tradition. Heute gibt es nur noch selten Auktionen.
    Auktionsbüros haben geschlossen.
    Dafür hat Loppis und secondhand zugenommen, sowohl von privaten als auch gesellschaftlichen Trägern.


    Ende der 90er haben wir keine Kühe in unsere Umgebung wahrgenommen. Heute gibt es unzählige Viehwirtschaften mit Kühen und Schafen.
    Nie konnte man frische Eier von glücklichen Hühnern kaufen, heute kann ich mir die
    Bauern aussuchen. Viele Hofläden mit Selbstbedienung öffneten.


    Viele Glashütten haben geschlossen im Glasreich.
    Die traditionsreiche Kultur der Märkte auf dem Land wird hochgehalten. Jedes Jahr finden zur gleichen Zeit an der gleichen Stelle Märkte mit immer dem gleichen Angebot statt und die Menschen strömen und kaufen.
    Valborg, Midsommar, Nationaldag, Allerhelgon sind Feier- und Gedenktage die traditionell begangen werden.


    Die Kirche erfüllt in wachsendem Masse seine Rolle als Kulturträger- und Vermittler
    auf dem Land. Musik i Sommarkväll hat zugenommen.


    Arabische Kopftuchfamilien sind in den Ortschaften nicht zu übersehen.
    Seit ca. 5 Jahren haben sich osteuropäische Bettlerkolonnen in ganz Schweden ausgebreitet.


    Ferienhäuser werden nicht mehr zum Festpreis verkauft sondern versteigert.
    Die Welle der holländischen und dänischen Ferienhauskäufen scheint vorbei zu sein.
    Die Stromversorgung ist stabiler geworden. Ausfälle sind selten geworden.

    Mehr habe ich im Moment nicht, Ergänzungen
    nehme ich gern zur Kenntnis,
    j.



  2. 20 Jahre in Småland # 2
    Aline
    Gut beobachtet


    Bei uns in der Nybro kommun ist in der Stadt Nybro selber ein sehr großer Leerstand an Ladengeschäften zu beobachten. Ich habe das Gefühl, dass bei jedem Besuch wieder ein altbekanntes Geschäft geschlossen hat. Auch Bankfilialen machen immer mehr dicht. Im Gegensatz dazu wächst das Gewerbegebiet von Nybro überproportional stark, die dehnen sich immer mehr aus.

    Von den vermutlich im Zuge der Flüchtlingswelle von 2015/2016 eingewanderten Neubürgern aus dem Nahen und Mittleren Osten machen sich viele als Einzelhandelsunternehmer selbständig. Viele kleine/klitzekleine Lebensmittelgeschäfte sind entstanden.


    Ja, auch hier gibt es kaum noch Hauskäufer aus den Niederlanden oder Dänemark. Aber auch der deutsche Käufermarkt stagniert. Und es gibt auch viele deutsche Hausbesitzer, die ihr Haus nun wieder verkaufen, die meisten aus Altersgründen.
    Viele Dörfer in der Umgebung kommen mir wie tot vor. Verrammelt und verriegelt.
    In unserem Dorf betrug die Einwohnerzahl im Jahr 1985 = 230 Bewohner
    im Jahr 2002 (als wir unser Haus kauften) waren es noch 125 und jetzt sind es noch 89 Menschen

    Aber der Bücherbus kommt noch regelmäßig, der Briefzusteller fährt noch seine Runden und auch der Busverkehr nach Nybro funktioniert noch

  3. 20 Jahre in Småland # 3
    Henrik
    Hej, da nun niemand mehr unter Hochländers Thread-Titel etwas hinzuzufügen weiß, traue ich mich mal sowohl den von ihm genannten Zeit- als auch den Landschaftsrahmen zu erweitern. Eniro.se hat Luftbildkarten von 2014-2017 über deckungs- und maßstabsgleiche Karten aus der Zeit 1955-1967 gelegt, wo man mit einem „Schieberegler“ anhand der Luftbilder die Situation von heute mit der damaligen vergleichen kann.

    https://kartor.eniro.se/?c=57.426216,%2015.082426&z=14&l=historic&d={%22r% 22:[[57.426216,%2015.082426]]}

  4. 20 Jahre in Småland # 4
    Henrik
    ... schon komisch: was ich da gestern gemacht habe. Plötzlich lässt sich die Seite über den angegebenen Link nicht mehr aufrufen. Ich versuch's noch mal:

    https://kartor.eniro.se/?c=57.426216,%2015.082426&z=14&l=historic&d


  5. 20 Jahre in Småland # 5
    assplusc
    Klappt super, danke für den Link

  6. 20 Jahre in Småland # 6
    Hexenhäuschen
    Danke für den Link! Sehr interessant.

    Hexenhäuschen

  7. 20 Jahre in Småland # 7
    skaergarden
    In den siebziger Jahren lernte ich das Leben der Schweden in Lagom-Manier kennen, diese Zufriedenheit mit dem nicht-zu-viel-und-nicht-zu-wenig für alle von allem, die auch jene Fremde erfasste, wenn sie sich darauf einlassen konnten und vor allem wollten.

    In Kalmar mit 52.637 Einwohnern im Jahr 1975 fühlte ich mich geborgen, aufgenommen als Teil einer Gemeinschaft, in der Vertrauen, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und positive Lebenseinstellung herausragende Merkmale waren.

    Tagsüber gab es keine verschlossenen Haustüren, auch das unverschlossene Auto stand nach dem Einkauf noch auf seinem Parkplatz. Im Pressbyrån am Bahnhof gab es sogar deutsche Zeitschriften zu kaufen.

    Es gab zwei Supermarktketten, Domus und ICA, Bäcker und Fachgeschäfte für Bekleidung, Haushaltswaren, Eisenwaren usw. Das Angebot der einzelnen Geschäfte beschränkte sich auf das Kerngeschäft des Händlers, so dass jeder Händler sein Auskommen ohne Konkurrenzdruck erwirtschaften konnte, aber seine Position preislich nicht ausnutzte.

    In der Lebensmittelabteilung von Domus und ICA gab es überwiegend nur saisonale und regionale, also schwedische Produkte zu kaufen. Lebensmittel und Tabakwaren waren deutlich teurer als in Deutschland, aber für Fleisch wurden exorbitante Preise verlangt. Noch Ende der 1980er Jahre waren Koteletts so dünn geschnitten, dass man fast durchschauen konnte.

    Am Ortseingang resp. Ortsausgang gab es eine Diskothek, die nur am Wochenende zu klar begrenzter Zeit geöffnet hatte, Zutritt nur für Personen ab 21 Jahren und ggfs. erst nach Passkontrolle. Das fand ich zwar blöd, aber nicht weiter schlimm, weil ich eh keine begeisterte Disco-Gängerin war.

    Vor der Sybilla-Gatukök am Hafen versammelte sich an lauen Sommerabenden das Jungvolk, das in älteren amerikanischen Straßenkreuzern mit sonoren Motorgeräuschen vorfuhr.
    Der Autoverkehr rollte gemächlich durch die Stadt, und die breiten, mehrspurigen Hauptstraßen waren wohl schon damals für die Zukunft geplant und gebaut worden, denn für das damalige Verkehrsaufkommen waren sie reichlich überdimensioniert angelegt.

    Es gab nur ein Restaurant, das sich im geschichtsträchtigen Stadshotel befand.
    Einer der ersten Gäste des Hotels war Carl von Linne mit einer Firma, die das Hotel 1741 besuchte. 1906 wurde das Stadshotell als heutiges Gebäude fertiggestellt.
    Das Restaurant hatte auch nur begrenzte Öffnungszeiten und auf der überschaubaren Speisekarte wurden Gerichte zu Apothekerpreisen angeboten.

    Auch nach dem EU-Beitritt Schwedens sind der Gesundheits- und Pflegebereich, der Bereich Bereich Handel, der Bereich Unternehmensdienstleistungen und das Bildungswesen die Wirtschaftszweige, die in der Gemeinde Kalmar die meisten Menschen beschäftigen. Und an den bereits erwähnten großen Hauptstraßen hat sich in neu geschaffenen Industriegebieten der Einzelhandel mit riesigen Verkaufsflächen angesiedelt. Heute ist das Lebensmittelangebot genauso reichhaltig wie in D. und anderswo, ebenso wie das Angebot an nicht zum Verzehr geeignete Waren. ;-)

    Der Kommunalhafen wurde für Freizeitboote umgestaltet, ehemalige Hafengebäude restauriert und Platz für diverse Shops geschaffen. Die Sybilla-Gatukök wurde Opfer der Neugestaltung des gesamten Hafengelãndes, aber unweit des Hafens und etwas abseits gelegen gibt es noch dieses kleine Cafe von früher, ein Stück lebendige Erinnerung.

  8. 20 Jahre in Småland # 8
    assplusc
    Ich war das erste mal 1983 dienstlich in Schweden Grebbestad, da habe ich ähnlich Eindrücke sammeln können wie du Sigrid. Eine Zeit, die so nicht wieder kommt.

    Vor der Sybilla-Gatukök am Hafen versammelte sich an lauen Sommerabenden das Jungvolk, das in älteren amerikanischen Straßenkreuzern mit sonoren Motorgeräuschen vorfuhr.
    Das war in Hafennähe von Grebbested genauso

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