1. Radioaktive Wolke über Europa # 1
    skaergarden

    Radioaktive Wolke über Europa

    Bereits im Oktober berichteten einige Medien darüber, dass in einem Atomreaktor im Süden Norwegens nach einem technischen Defekt vorübergehend radioaktives Material ausgetreten wäre. Der Zwischenfall soll sich in der Nähe der Grenze zu Schweden ereignet haben.

    Im Januar erwähnten dann einige Medien so nebenbei, dass eine radioaktive Wolke über Europa festgestellt worden sei. Nix Schlimmes, denn die Wolke befördert nur Jod 131 in geringer Menge, Ursache unbekannt.

    Für die Netzfrauen https://netzfrauen.org/2017/02/19/reaktorunfall/ steht dann im Februar ein möglicher Übeltäter fest:

    "Es ist möglich, dass Russland gegen das Abkommen gegen Nuklear-Tests verstoßen hat oder aber es zu einem nuklearen Unfall in Novaya Zemlya, auch Nowaja Semlja genannt, gekommen ist.
    Das Gebiet ist eine tickende Zeitbombe und birgt ein unkalkulierbares Risiko für die gesamte Welt."

    Aha, alles klar, wer hätte es auch sonst sein können.

    Nun endlich habe ich einen Artikel über diesen "technischen Defekt" im AKW Halden/Norwegen gefunden, der Licht ins Dunkel bringt. https://www.heise.de/tp/features/Bei...n-3648067.html

    @ An Alle, die in Schweden leben

    Hat die schwedische Presse über diesen Vorfall berichtet oder verzichtete sie auch wegen Belanglosigkeit darauf, die Bevölkerung zu informieren?

  2. Radioaktive Wolke über Europa # 2
    Chromix
    Soso, eine radioaktive Wolke also!

    Nun ja, man konnte immerhin etwas messen, aber mal gerade so eben "... an der Grenze der Messbarkeit ...".
    http://www.morgenpost.de/vermischtes...in-Europa.html

    Die in der Grafik angegebenen Werte sind µBq/m3 Luft. Ein Bequerel ist ein radioaktiver Zerfall pro Sekunde. Ein µBq ist der millionste Teil davon, also 1 radioaktiver Zerfall in rund 11 Tagen.

    Zum Vergleich: der menschliche Körper enthält 100-150g Kalium, das natürlicherweise zu 0,0117 Prozent aus dem radioaktiven Isotop Kalium-40 besteht und für eine Aktivität von 40 bis 60 Bq pro Kilogramm Körpergewicht, das sind bei einem durchschnittlichen Erwachsenen also fast 4000 Bq, verantwortlich ist.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Becquerel_%28Einheit%29

    Und ja, in Schweden wurde darüber berichtet:
    https://www.svd.se/radioaktiv-lacka-i-norge
    http://www.sydsvenskan.se/2016-10-25...-norsk-reaktor

    Insofern ist mir auch schleierhaft, wieso "Experten über das radioaktive Jod rätseln", denn insbesondere Experten sollte der Vorfall doch bekannt gewesen sein.

    In dem "Telepolis"-Artikel ist zu lesen, daß das Belüftungssystem zunächst abgestellt wurde, um eine Freisetzung in die Atmosphäre zu verhindern und daß sich dadurch "weitere ernsthafte Probleme an dem Reaktor ergeben hätten, nämlich eine Unterbrechung der Kühlwasser-Zirkulation, Temperaturfluktuationen und ein Ansteigen des Neutronenflusses im Core mit der Gefahr einer Bildung von Wasserstoffblasen."
    Eine Erklärung, wieso ein abgestelltes Belüftungssystem zu diesen Problemen führen soll, gibt es nicht, aber sonst hätte man den Vorfall ja auch nicht in die Nähe einer Kernschmelze rücken können.

    Auch in nicht-Mainstream-Medien gibt es "alternative Fakten" .....

  3. Radioaktive Wolke über Europa # 3
    RüLo
    Zitat Zitat von Chromix Beitrag anzeigen
    ....Insofern ist mir auch schleierhaft, wieso "Experten über das radioaktive Jod rätseln", .........
    Das könnte damit zusammenhängen, dass Jod 131 eine Halbwertszeit von 8 Tagen hat.
    Wenn also mitte Januar noch etwas messbares vorhanden war, müsste der Ausstoss im Oktober so hoch gewesen sein, das weite Landstriche Norwegens und Schwedens ohne jegliches Leben auskommen müßten.

    Das, das gefundene Jod 131 seinen Ursprung in dem Störfall in N. hatte, ist also relativ unwahrscheinlich.

  4. Radioaktive Wolke über Europa # 4
    Chromix
    Stimmt, das hatte ich übersehen!

    Da das europäische Netzwerk zur Feststellung von Radioaktivität permanent in Betrieb ist, bedeutet das aber auch, daß eine Belastung durch den Vorfall in Norwegen bereits im Oktober festgestellt worden wäre, wenn es denn zu einer großflächigen Verteilung gekommen wäre.

  5. Radioaktive Wolke über Europa # 5
    skaergarden
    Zitat Zitat von Chromix Beitrag anzeigen
    In dem "Telepolis"-Artikel ist zu lesen, daß das Belüftungssystem zunächst abgestellt wurde, um eine Freisetzung in die Atmosphäre zu verhindern und daß sich dadurch "weitere ernsthafte Probleme an dem Reaktor ergeben hätten, nämlich eine Unterbrechung der Kühlwasser-Zirkulation, Temperaturfluktuationen und ein Ansteigen des Neutronenflusses im Core mit der Gefahr einer Bildung von Wasserstoffblasen."
    Eine Erklärung, wieso ein abgestelltes Belüftungssystem zu diesen Problemen führen soll, gibt es nicht, aber sonst hätte man den Vorfall ja auch nicht in die Nähe einer Kernschmelze rücken können.
    Da schaut man am besten mal bei der von Telepolis genannten Quelle nach http://bellona.org/news/nuclear-issu...of-near-misses

  6. Radioaktive Wolke über Europa # 6
    Chromix
    Habe ich bereits gemacht, aber das macht's nicht besser, ganz im Gegenteil.

    Im Übrigen war der Reaktor zum Zeitpunkt des Unfalls wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet.

  7. Radioaktive Wolke über Europa # 7
    skaergarden
    War der Reaktor zu diesem Zeitpunkt (shutdown) abgeschaltet oder heruntergefahren gewesen?

    Bellona berichtet über ein "ventilation system", das Telepolis mit "Belüftungssystem" übersetzte.

    "Als Venting (englisch venting: Belüftung, Entlüftung) bezeichnet man in der Reaktortechnik die kontrollierte Druckentlastung des Sicherheitsbehälters eines Kernreaktors, um dessen Bersten bei schweren Störfällen zu verhindern. Dabei gelangt mit den entweichenden Gasen Radioaktivität in die Umgebung und Umwelt....." https://de.m.wikipedia.org/wiki/Venting_(Kernreaktor)

    Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit erklärt gut verständlich die

    "Wasserstoffentstehung im Siedewasserreaktor"

    https://web.archive.org/web/20110404...serreaktor-swr

    Es ist wohl nicht so einfach, komplexe technische Zusammenhänge für Jedermann in einem Artikel zu erklären, in dem (wieder einmal) auf die unzureichende Informationspolitik hinweisen wird.

  8. Radioaktive Wolke über Europa # 8
    RüLo
    Der Halden Reaktor ist ein reiner Forschungsreaktor und deshalb eh nur die Hälfte des Jahres in Betrieb.
    Insbesondere werden in europäischer Zusammenarbeit Materialien für Brennstäbe erforscht.
    Beim Austausch beschädigter Brennstäbe kam es dann zur Freisetzung von Jod 131.

    Laut Betreiber des Reaktors ist seine Besonderheit, dass zur Kühlung des Primärkreislaufes keine Pumpen benötigt werden.
    Die Kühlung funktioniert ähnlich wie bei alten Heizungen:
    warmes Wasser ist leichter als kaltes und steigt deshalb im System nach Oben, während das kalter Wasser absinkt (Scherkraftheizung)
    EFI hält dies Verfahren für besonders sicher, da die Kühlung des Reaktors auch bei Stromausfall funktionieren soll.

    Natürlich muss auch in einem solchen System die Wasserzirkulation reguliert werden. Dies geschieht in Halden durch Ventile, die mit Druckluft gesteuert werden.
    Dummerweise ist die Produktion dieser Druckluft mit dem normalen Belüftungssystem gekoppelt.
    Wird also die Belüftung ausgeschaltet um die Emission von Jod 131 zu verhindern, schließen auch die Ventile, der Reaktor fängt an zu überhitzen und Knallgas zu produzieren.

    Da stellen sich mir nun einige Fragen:
    Können Ingenieure wirklich so blöd sein ein System zu entwickeln, bei dem Ventile mit Druckluft offen gehalten werden?
    Würden sie mit Druckluft geschlossen, würde die Kühlung bei Ausfall der Pressluft ja trotzdem noch funktionieren!

    Wieso hat die Norwegische Aufsicht so wenig Ahnung von dem zu kontrolierenden Reaktor, dass sie beim vorliegenden System, das Schließen der Belüftungsanlage anordnen kann.

    Wieso schaltet der Betreiber die Belüftung aus, wenn er doch wissen müßte, dass dadurch auch die Ventile ausfallen?

    Links hab ich mir gespart, die gab es hier alle schon mal.

    Rüdiger
    Geändert von RüLo (12.03.2017 um 15:06 Uhr)

  9. Radioaktive Wolke über Europa # 9
    Chromix
    Genau die Fragen habe ich mir auch gestellt!
    Scheint ein "error by design" zu sein, etwas, das bei einem Kernkraftwerk nicht vorkommen sollte.
    Unfassbar, daß man das so plant, baut und betreibt!
    Wenn das die Regel ist, muss man sich nicht wundern, daß es schon 2 1/2 GAUs gegeben hat.

  10. Radioaktive Wolke über Europa # 10
    skaergarden
    Zitat Zitat von RüLo Beitrag anzeigen
    Da stellen sich mir nun einige Fragen:
    Können Ingenieure wirklich so blöd sein ein System zu entwickeln, bei dem Ventile mit Druckluft offen gehalten werden?
    Würden sie mit Druckluft geschlossen, würde die Kühlung bei Ausfall der Pressluft ja trotzdem noch funktionieren!

    Wieso hat die Norwegische Aufsicht so wenig Ahnung von dem zu kontrolierenden Reaktor, dass sie beim vorliegenden System, das Schließen der Belüftungsanlage anordnen kann.

    Wieso schaltet der Betreiber die Belüftung aus, wenn er doch wissen müßte, dass dadurch auch die Ventile ausfallen?

    Rüdiger

    Auf http://www.oekonews.at/?mdoc_id=1112909 wird angemerkt:

    "Wenn die Lüftung geschlossen wurde, sollte auch die aus dem Prozess kommende Luft ausgeschaltet werden. Die Druckluft hielt die Ventile im Kühlsystem des Reaktors auf, was wiederum die Zirkulation von Kühlwasser stoppte."

    Könnte man daraus nicht eher ein Fehlverhalten, als auf eine Fehlkonstruktion schließen?

    Zu Frage 2:

    Die NRPA beschreibt ihren Aufgabenbereich wie folgt:

    "The NRPA is responsible for:

    overseeing the use of radioactive substances and fissile material
    coordinating contingency plans against nuclear accidents and radioactive fallout
    monitoring natural and artificial radiation in the environment and at the workplace
    increasing our knowledge of the occurrence, risk and effects of radiation

    http://www.nrpa.no/en/news/83606/the...tion-authority

    Die NRPA nimmt Aufgaben wie die deutsche Strahlenschutzbehörde wahr, u.a. kontrolliert, entzieht oder erteilt bspw. Betriebsgenehmigungen. D.h., dass die NRPA auch für den "Strahlenschutz" der Bevölkerung zuständig ist, und evtl. aufgrund der (mangelhaften) Auskunft seitens der IFE das Abschalten der Belüftungsanlage anordnete?

    Zu Frage 3:

    Zitat aus dem Telepolis-Artikel.

    "Der hier vorliegende Schaden muss ein ganz anderes Ausmaß gehabt haben. Die im weiteren geschilderten Begleitumstände, insbesondere das Venting (Druckentlastung) durch die Operateure, deuten auf eine beginnende Kernschmelze hin."

    BTW: Der Reaktor in Halden wurde bereits 1959 !!!!! in Betrieb genommen.

    Nach Angaben der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit beteiligt sich auch Deutschland beteiligt sich an experimentellen Projekten der OECD-NEA zur Reaktorsicherheitsforschung, bspw. am

    HALDEN-Reactor-Project

    Forschungsthemen: Brennelement- und Materialforschung, Mensch-Maschine Wechselwirkung (Wartengestaltung, Informationssysteme)
    Durchführende Stelle: Institute for Energy Technology, Kjeller und HALDEN, Norwegen
    Laufzeit: 01.01.2012 – 31.12.2014

    An anderer Stelle habe ich gelesen, dass die Versuche voraussichtlich bis 2019 andauern werden.

  11. Radioaktive Wolke über Europa # 11
    skaergarden
    In deutschen Kommunen werden erneuerungsbedürftige öffentliche Klos durch neue Moduleinheiten ersetzt, bei denen sensorengesteuert den Zu- und Ausgang geregelt wird. Im Innenraum einer solchen Toilette wird darauf hingewiesen, dass die Tür automatisch nach 15 Minuten nach einem vorherigen Warnton entriegelt wird, wenn bis zu diesem Zeitpunkt der Benutzer das WC nicht verlassen hat.
    Außerdem gibt es eine vom Benutzer anzuwendende Notentriegelung sowie die Möglichkeit, einen Notruf absetzen zu können.

    So viel zu den Sicherheitsvorkehrungen für ein öffentliches WC!

    In deutschen AKW gibt es ein automatisiertes System, das im Fall von Störungen Maßnahmen einleitet, so dass im Störfall keine Handeingriffe des Betriebspersonals über einen Zeitraum von 30 Minuten erforderlich sind. Damit soll verhindert werden, dass das Personal unter Zeitdruck Entscheidungen treffen muss.

    Dieses Reaktorschutzsystem überwacht den Anlagenbetrieb durch Messeinrichtungen. Werden vorgegebene Grenzwerte überschritten werden die Sicherheitsmaßnahmen automatisch ausgelöst.

    Gibt es dieses automatisierte Sicherungssystem im AKW Halden nicht, so dass das Personal (unter Zeitdruck stehend) in den Steuerungsablauf eingriff?

    Oder war es dem Betriebspersonal nicht möglich, innerhalb von 30 Minuten die Ursache für den Störfall zu finden und traf dann Fehlentscheidungen?

    Es kann doch nicht sein, dass die Sicherheitsvorkehrungen eines deutschen Klos höher sind, als in einem norwegischen Forschungsreaktor.

  12. Radioaktive Wolke über Europa # 12
    Chromix
    Es gab auf der Erde sogar natürliche Kernreaktoren, im Erdzeitalter des Proterozoikums. Im heutigen Gabun wurden die Überreste von 15 Naturreaktoren gefunden:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Naturreaktor_Oklo

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