• Dalarna: Geschichtsträchtiges Naturparadies

    Was haben rote Farbe, bunte Holzpferde und Fleischwurst gemeinsam? Da fällt einem zunächst wenig ein. Befasst man sich jedoch näher mit diesen Dingen, finden sich gleich zwei Gemeinsamkeiten: Zum einen sind alle drei etwas, das als typisch schwedisch gilt. Und zum anderen haben sie alle ihren Ursprung in der Provinz Dalarna. Dalarna (auf Deutsch: die Täler) gilt als "schwedischste aller schwedischen" Provinzen. Sie liegt im Herzen Schwedens und erstreckt sich auf knapp 30.000 km² bis zur norwegischen Grenze im Westen. Bei einer Einwohnerzahl von rund 276.000, und der daraus resultierenden Bevölkerungsdichte von 9 Einwohnern je km², dürfte klar sein, dass es in Dalarna noch viel unberührte Natur gibt, die auf langen Wanderungen entdeckt werden kann.

    Südliches Dalarna – Historie und Wintersport

    Um die Vielseitigkeit der Provinz zu erleben, bietet es sich an, die Entdeckungstour im relativ dicht besiedelten Südosten zu starten und sich dann Richtung Nordwesten zu bewegen. In den südöstlichen Gemeinden Borlänge und Falun leben über ein Drittel aller Einwohner Dalarnas. Besonders die Stadt Falun hat mit spannender Geschichte und UNESCO Weltkulturerbe dem Besucher einiges zu bieten. Mitte des 17. Jahrhunderts war Falun eine der größten Städte in Schweden und die Kupferbergwerke der Stadt förderten damals zwei Drittel des weltweiten Kupferbedarfs zu Tage. Trotz Abflauen des Kupfermarktes war das Bergwerk (auf Schwedisch: Falu gruva) aber noch bis 1992 in Betrieb. Nach seiner Schließung wurden das Werk und die dazugehörigen historischen Arbeitersiedlungen zu einem Museum und sind Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Heute werden geführte Touren in die Tiefen des Bergwerks angeboten - ein Erlebnis, das sich definitiv lohnt.

    Der Bergbau in Falun hat, fast zufällig, zwei Produkte hervorgebracht, die heute unlösbar mit dem schwedischen Alltag verbunden sind. Da ist zum einen die berühmte rote Farbe, das „Faluröd“, das heutzutage als Schwedens Nationalfarbe unzählige Holzhäuser schmückt. Die Farbe entstand durch ein Nebenprodukt des Bergbaus, mageres Kupfererz, welches in rauen Massen zur Verfügung stand und im 16. Jahrhundert entdeckt wurde. Die Farbe hat die besondere Eigenschaft, Holz zu konservieren. Ein weiteres Nebenprodukt ist die klassisch schwedische Fleischwurst, „Falukorv“. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden alle Seile, die im Bergwerk verwendet wurden, aus Ochsenleder hergestellt. Da für ein 150 m langes Seil 200 Ochsen geschlachtet werden mussten, fiel eine große Menge Fleisch an. Deutsche Bergarbeiter fingen daraufhin an, das Fleisch zu Wurst zu verarbeiten und nach Stockholm zu verkaufen. Heute noch ist in Scheiben geschnittene, gebratene Falukorv eines der Nationalgerichte Schwedens und ist besonders unter Kindern sehr beliebt. Falun ist heute Sitz der Provinzverwaltung und außerdem ein großes Wintersportzentrum. Auf den Skisprungschanzen und Langlaufloipen des Sportzentrums Lugnet werden regelmäßig nationale und internationale Wettkämpfe ausgetragen.

    Natur und Traditionshandwerk

    Auf dem Weg von Falun nach NordDalahäst - das Dalapferden passiert man die Eishockey- und Knäckebrothochburg Leksand und erreicht bald den wunderschönen Siljansee. Der See ist mit 290 km² Schwedens siebtgrößter See und ein beliebtes Touristenziel. Am nordöstlichen Ufer des Sees findet man im kleinen Örtchen Nusnäs das Zentrum des Dalapferds (auf Schwedisch: Dalahäst), das beliebteste schwedische Souvenir. Die Tradition des Dalapferds geht auf geschnitztes Holzspielzeug in der Region Dalarna zurück, doch seit das Dalapferd auf der Welt-Expo in Paris 1937 vorgestellt wurde, gilt es in der ganzen Welt als Symbol Schwedens. Die Werkstätten in Nusnäs können von Touristen besichtig werden und dabei kann in einem der vielen Lädchen das urschwedische Mitbringsel erworben werden.

    Ganz im Nordosten der Provinz, rund um die Orte Grövelsjön, Idre und Särna, finden Wanderer und Naturliebhaber ein kleines Paradies. Besonders das Naturschutzgebiet um die Berge Städjan und Nipfjället ist durch zahlreiche Wanderpfade exzellent erschlossen und ist so bei Wanderern äußerst beliebt. Wanderungen in der Region führen durch einige der ältesten Waldbestände des Landes, durch verwunschene Moorlandschaften und vorbei an Bade- und Angelseen. Dalarna bietet außerdem eine artenreiche Tierwelt; hier gibt es noch viele Elche, Füchse und Biber, dazu in den Bergregionen auch Bären, Wölfe und Luchse. Um den Berg Städjan gibt es außerdem die südlichste Rentierzucht der Welt – man findet also ein wahres Stück Lappland in Mittelschweden.

    Klima und Reisezeit

    Das Kontinentalklima in Dalarna sorgte für teilweise extreme Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter. Die Winter werden oft eisig kalt und schneereich, was ideale Bedingungen für Wintersportfreunde sind. Plant man allerdings einen Wander- oder Entspannungsurlaub, empfiehlt sich natürlich, wie im restlichen Schweden, der Sommer als beste Reisezeit.