• Wir fahren in Urlaub – nach Schweden

    „Wir fahren in Urlaub – nach Schweden“, berichtete mir ein guter Bekannter, den ich bis dahin als vernünftig denkenden Menschen kennen- und schätzen gelernt hatte.

    Nach Schweden? „Wie kann man da Urlaub machen“, durchfuhr es mich mediterran orientierten Durchschnittsurlauber, der „Norden“ automatisch mit Dauerregen, Mücken und Schlimmerem assoziierte.
    Und tatsächlich kam es schlimmer: „Wollt Ihr uns nicht mal ein paar Tage besuchen kommen – ist ja von Hamburg aus gar nicht so weit …!“ Noch bei meinem flüchtig dahin gestammelten Dank für die Einladung grübelte ich fieberhaft, aber erfolglos, über alle nur möglichen Ausreden und Entschuldigungen.
    „Wir können gemeinsam Angeln gehen – dazu braucht man in Schweden nämlich keine amtliche Erlaubnis ähnlich dem deutschen Fischereischein“, ergänzte mein Bekannter – und ich spürte, ich hatte verloren. Bis dahin emsiger Ostseeangler und eher weniger erfolgreich im Mittelmeer entfachte die Vorstellung von Riesen-Barschen, -Lachsen und -Hechten in mir eine geradezu magnetische Anziehungskraft.

    In Helsingborg erreichten wir an einem herrlichen Sommertag erstmals schwedischen Boden. Das freundliche Willkommens-hej-hej des Zollbeamten und die in holprigem deutsch nachgeschobene Frage nach dem „wohin“ sind mittlerweile selten geworden – dank Schengen. Doch schon hier am Zoll muss er mich sozusagen kalt erwischt haben, der „Schwedenvirus“ und Zauber dieser letzten „Wildnis Europas“, in dem sogar Autofahren Entschleunigung und Entspannung bedeutet. Stau? Nie gehört ….
    Nach wenigen Autobahnkilometern auf der E 4, vorbei an rot leuchtenden Holzhäusern mit weißen Ecken, empfing uns eine einzigartige Natur mit ihren nimmer enden wollenden Wäldern und ein eigenartiges Gefühl des Staunens und der Leichtigkeit stellte sich ein. Und dann noch dieses Licht ….

    Unterbrochen von einem Besuch des ersten IKEA-Warenhauses im småländischen Älmhult , Stammsitz des Unternehmens – übrigens seit einiger Zeit aus dem Zentrum der Kleinstadt auf ein großes Areal außerhalb umgesiedelt und zum modernsten Kaufhaus der Kette aufgestiegen – erreichten wir gegen Abend das Feriendomizil unserer Bekannten im kleinen Walddorf Skogsryd im nördlichen Teil der Kommune Tingsryd, übrigens seinerzeit ein Gästehaus dieses Hofes. Keine Stunde später standen wir am Fluss Ronnebyån und ich „versenkte“ bereits einige der mitgebrachten Blinker. Mit Köderfischen waren wir sehr früh am nächsten Morgen wesentlich erfolgreicher auf Barsch und Hecht.

    Ich hätte jeden, wirklich jeden, für verrückt erklärt, der mir damals vorhergesagt hätte, dass ich mir nur wenige Jahre später in dieser Region namens Småland, bekannt durch die Kinderbuchautorin Astrid Lindgren und ihre Märchenfiguren Pippi Langstrumpf und Karlsson vom Dach, ein eigenes Ferienhaus zulegen würde. Seitdem haben wir nicht nur viele Sommer in Schweden verbracht, sondern auch gelernt, wie man ein richtiges, schwedisches Weihnachtsfest mit Julbock und Julschinken feiert und das ganze Dorf gemeinsam um den Julgran, den Weihnachtsbaum, tanzt.

    Schweden Landschaft

    Eigentlich kann man das Urlaubsland Schweden das gesamte Jahr über besuchen. Am schönsten ist es für mich jedoch mittlerweile im Mai, wenn die Natur aus langem Winterschlaf erwachend sozusagen „explodiert“ und es, nahezu übergangslos, sofort Sommer wird. Für die meisten schwedischen Männer beginnt der jedoch schon einige Wochen vorher - zu Ostern - mit dem Tragen kurzer Hosen und endet erst nach den ersten Frostnächten.
    Und dann feiert ein ganzes Land „Midsommar“ – die Sommersonnenwende – seit 1953 immer an dem Samstag, der zwischen dem 20. und dem 26. Juni liegt. Eigentlich beginnt das Fest bereits am Freitag davor, dem Midsommarafton (Mittsommerabend), der zwar kein offizieller Feiertag ist, aber an dem die meisten Geschäfte geschlossen sind und auch Krankenhäuser und Polizei nur Notdienste verrichten. Für viele Schweden dürfte dieses Wochenende der Höhepunkt des gesamten Jahres sein und intensiver gefeiert werden als Weihnachten und Jahreswechsel zusammen. Mit dem Aufstellen der blumengeschmückten Midsommarstång, bei uns in einigen Gegenden als Maibaum bekannt, nimmt dieses feuchtfröhliche Fest seinen Lauf und die schon an Heiligabend erklungenen Volksweisen und –tänze erleben eine Neuauflage.

    SchwedenLeider beginnen die deutschen Schulferien in aller Regel erst einige Tage oder gar Wochen später, so dass wir auf unser erstes Midsommarfest lange warten mussten. Wer hingegen ferienunabhängig planen kann, sollte sich dieses besondere Ereignis nicht entgehen lassen.
    Alkohol spielt bei schwedischen Festen übrigens eine wichtige, aber durchaus ambivalente und komplizierte Rolle. In vielen Kommunen Schwedens ist das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit verboten – wer sich erwischen lässt wird mit einem Bußgeld in Höhe von 500 SEK (etwa 55 Euro) bestraft. Von daher endet der öffentliche Teil des „Feierns ohne Alkohol“ meist schon sehr früh – dann, wenn es bei uns erst so richtig losgehen würde. Über das, was dann zuhause oder bei Freunden passiert, hüllt man sich natürlich in Schweigen.

    In Schweden gilt übrigens die 0,2 Promillegrenze. Ab 0,3 Promille wird der Führerschein direkt von der Polizei für zwei bis zwölf Monate eingezogen. Wer mit über 1,0 Promille erwischt wird, muss sogar mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Man sollte also tunlichst nur absolut nüchtern Auto fahren – aber als Gastgeschenk oder einer Art „Zweitwährung“ immer mindestens eine Flasche Hochprozentiges im Kofferraum haben.

    Apropos Kofferpacken. Zum Ausprobieren und Kennenlernen des Landes empfehle ich Ihnen einen Ferienhausaufenthalt als erste Wahl. Nicht dass ich etwas gegen schwedische Hotels hätte, die preislich allerdings meist über bundesdeutschem Niveau anzusiedeln sind. Aber erst das landestypische, rotweiße Ferienhäuschen am See mit Boot und Kamin lässt den Traum von Bullerbü wach und lebendig werden.

    Eberhard Krieger, www.smaland-ferienhaus.de
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