• Surströmming Tag

    Andere Länder, andere Sitten – Surströmming Tage in Schweden Das schwedische Surströmming heißt zu Deutsch Saurer Hering, ist mit dem jedoch in keiner Weise vergleichbar. Surströmming ist zwar keine Nationalspeise, aber immerhin ein traditionelles Gericht, für das sich mehr als die Hälfte der schwedischen Bürger einmal jährlich begeistern. Passender Zeitpunkt dazu ist der Monat August, genauer gesagt die Tage ab dem dritten Donnerstag des Monats. Ab dann wird allerorts der schwedische saure Hering in unterschiedlichen Variationen zubereitet und serviert. Doch was genau unterscheidet diese schwedische Delikatesse vom deutschen sauren Hering, und was macht den ganz speziellen, geradezu einmaligen Geschmack von Surströmming so unwiderstehlich?

    Gegorene Ostseeheringe, die noch in der Fischdose gären

    Surströmming ist auf keinen Fall jedermanns Sache; vielen schmeckt der recht intensiv faulig riechende Fisch nicht besonders gut. Der Herstellungsprozess beginnt in den Frühjahrmonaten mit dem Fangen laichreifer Heringe in der Ostsee. Diese ausgewachsenen Heringe waren im vergangenen Jahrhundert Bestandteil der täglichen Ernährung für die Bauern in Nordschweden. Direkt nach dem Fang werden die Fische einen Tag lang, also 24h in eine starke Salzlake eingelagert. Damit wird erreicht, dass das Blut aus dem Körper heraus gespült wird. Surströmming
User: © LapplaenderDanach folgt die etwa zweimonatige Einlagerung in einer etwas schwächeren Salzlösung, und zwar bis etwa Anfang, Mitte Juli. Jetzt beginnt die letzte Phase mit dem Verpacken der Heringe in eine Dose; sie werden sozusagen konserviert. Währenddessen gärt der Fisch unvermindert weiter, also auch innerhalb der verschlossenen Konservendose. Das hat zur Folge, dass sich oftmals der Deckel einer Surströmming-Dose leicht sichtbar bis hin zu stark wölbt. Ab etwa Mitte August ist es dann soweit, dass ab dem Surströmming-Tag in vielen schwedischen Haushalten eine oder auch mehrere Surströmming-Dosen geöffnet werden. Des strengen Geruchs wegen wird das Öffnen im Freien, also nicht innerhalb eines Raumes empfohlen. Jetzt zeigt sich, ob und wie gut der Doseninhalt tatsächlich ist. Fisch und gesamter Doseninhalt müssen rosafarben sein. Ist das nicht der Fall, sondern beispielsweise grau oder gräulich, dann ist der Inhalt ungenießbar.
    Foto: © Lapplaender | Quelle: wikimedia.org

    Königliche Surströmming-Verordnung aus dem vergangenen Jahrhundert

    Der Stichtag dritter Augustdonnerstag ist auf eine Richtlinie des Schwedischen Königshauses aus dem Jahre 1937 zurückzuführen. Damit sollte gewährleistet werden, dass der Ostseehering auch tatsächlich ausgereift ist, wenn er zum Fang freigegeben wird. Ende der 1990er Jahre wurde die Bestimmung offiziell aufgehoben, wobei das Datum als Brauchtum unverändert beibehalten wurde. Es ist der Auftakt zum Verkauf von Surströmming im landesweiten Einzel- sowie im Onlinehandel.

    Fischfermentierung mit langer Tradition in Schweden

    Das Fermentieren, also das Gären von Fischen war in den vergangenen Jahrhunderten eine bevorzugte Möglichkeit, um Heringe für längere Schiffsreisen haltbar zu machen. Die zunächst einfachen, um nicht zu sagen primitiven Methoden wurden im Laufe der Zeit verfeinert, bis hin zum heutigen Surströmming. Geblieben ist der nach wie vor typische, sehr kräftige Geschmack mit dem dazugehörigen, unverkennbaren Geruch. Beides ist gewöhnungsbedürftig, zumal der Feinschmecker immer ein Jahr auf diese Delikatesse warten muss. Surströmming schmeckt zusammen mit ein, zwei Scheiben „Tunnbröd“ besonders gut. Das ist ein Fladenbrot aus Nörrland als dem nördlichen Landesteil von Schweden. Tunnbröd heißt Dünnbrot und besteht wahlweise aus Weizenmehl, aus Roggen- oder aus Gerstemehl. Das Tunnbröd wird gut mit Butter bestrichen, und belegt mit einem Mix aus Sörströmming-Stückchen, aus kleinen Kartoffeln, sowie mit gehackten Zwiebeln. Bedeckt wird der Brotbelag mit einer Tomaten- oder einer Sahnesoße. Das dazu passende Getränk ist Milch oder Bier.

    Surströmming-Akademien zur Pflege von schwedischem Brauchtum

    Landesweit gründen sich mehr und mehr Akademien, in denen das Surströmming in unterschiedlicher Art und Weise präsentiert wird. Damit sind nicht nur ausländische Besucher angesprochen, sondern in erster Linie die Einheimischen. Sie sollen sich auf das Traditionsgericht besinnen, das in der heutigen Zeit auf vielfältige Weise zubereitet wird. Japanische Touristen sind interessiert bis hin zu begeistert von Surströmming, weil sie von Haus aus oft und gerne fermentierte Lebensmittel verzehren. Es ist keine Mär, sondern eine Tatsache, dass der Transport von Sumströmming-Dosen auf Auslandsflügen der Fluggesellschaften Air France und British Airways untersagt ist. Nach „11-9“ soll jegliche Explosionsgefahr in Flugzeugen verhindert werden, wozu auch der gärende Ostseehering in der Konservendose zählt. Über schwerere Unfälle sowohl im Flugzeug als auch beim Dosenöffnen ist bisher nichts Näheres bekannt. Esst ihr Surströmming? Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Fisch gesammelt?