• jul-en-ar uti Sverige! Weihnachten in Schweden!

    Schon der Gedanke an tief verschneite Wälder, endlose menschenleere Landschaften und Elche lässt in der Hektik innehalten. Schweden: Für viele der Inbegriff von neuem Start in einem fremden Land. Allerdings - Andere Länder, andere Sitten und gerade deshalb sind wir so interessiert an den Gebräuchen und Feiertagen von fernen oder auch durchaus näher gelegenen Ländern. Manche Rituale erscheinen uns etwas eigenartig. Die Römer spinnen, würden die Galier sagen, wenn plötzlich aus dem Fenster ein Baum geflogen kommt. Doch in Schweden ist dieser Brauch durchaus verbreitet. So richtig für Furore sorgte er allerdings erst nach dem witzigen Werbespot des bekannten schwedischen Möbelhauses IKEA. Hintergrund für diesen in unseren Breitengraden teils befremdlichen, aber unterhaltsamen Brauch ist der Trettondedag jul, der dreizehnte Weihnachtstag. Der auch unter dem Namen Trettondog jul bekannte Feiertag ist das Gegenstück zum deutschen Dreikönigstag und gilt in Schweden, das überwiegend protestantisch ist, ein gesetzlich anerkannter Feiertag.

    An diesem Tag erfreut man sich zum letzten Mal am Weihnachtsbaum und zelebriert das angemessen. Viele Schweden machen noch ein Abschlussfest mit einer anschließenden sogenannten Weihnachtsbaumplünderung. Dabei werden die Kerzen und der restliche Baumschmuck entfernt. Anschließend wird der Weihnachtsbaum entsorgt, bei vielen tatsächlich über das Fenster, soweit es natürlich möglich ist und keine Passanten gefährdet.

    Trettondedag jul – Weihnachten in Schweden im XXL-Format

    Anders als in Deutschland hängen die skandinavischen Länder an Weihnachten quasi noch eine weitere Woche dran, das zieht sich teils bis zum Tjugondedag Knut, dem zwanzigsten Weihnachtstag. Bis zum 13. Januar rieseln in deutschen Wohnzimmern aber meist schon sehr viele Nadeln vom Weihnachtsbaum, weshalb das ein weiterer Grund ist, eher am 6. Januar, dem Trettondedag jul, dem Baum ade zu sagen.

    Es ranken sich mehrere Versionen um die geschichtliche Bedeutung der verlängerten Weihnachtszeit. Die regionale Kirche dehnte diese Zeit angeblich aus, um ein Fest der Wikinger auszustechen. Eine weitere Erklärung, die plausibler klingen mag für viele Schweden-Fans, könnte die Tatsache sein, dass Knuts Namenstag bereits im 16. Jahrhundert vom 7. Januar auf den 13. Januar verlegt worden ist. Darum zwangsläufig auch Weihnachten länger dauert als in anderen europäischen Ländern.

    Highlights für die Kinder: julgransplundring

    Besonders für Kinder ist diese Zeit fantastisch, denn mit dem julgransplundring, der Weihnachtsbaumplünderung, dürfen sie sich das Naschwerk, das noch auf dem Weihnachtsbaum hängt, runterpflücken.

    Das gesellige Zusammensein zieht sich aber nicht nur durch den Familien- und Freundeskreis. Auch Vereine, Clubs und andere Vereinigungen feiern diesen Tag gern und schließen im gemeinsamen Kreis die Weihnachtszeit ab. Mit einem Ritual, bei dem in einer alten Weise um den Weihnachtsbaum getanzt und gesungen wird, verabschiedet man sich von der stillen und besinnlichen Weihnachtszeit:

    Nu är glada julen slut, slut, slut,
    julegranen bäres ut, ut, ut.
    Men till nästa år igen,
    kommer han vår gamle vän.
    För det har han lovat.

    Weihnachten mit der Familie unter dem WeihnachtsbaumDas ist doch eine schöne Form der Familienzusammenkunft. In Deutschland endet Weihnachten mit dem 6. Januar, dem Dreikönigstag. Wessen Weihnachtsbaum an diesem Tag tatsächlich noch steht, ohne vollständig genadelt zu haben, der dürfte sich spätestens am 6. Januar ohne Bedauern von ihm verabschieden. Anders als in Schweden findet dabei allerdings weder eine Familienfeier im kleinen Kreis statt, noch eine Weihnachtsbaumplünderung.

    Generell ist Weihnachten in Schweden einer der wichtigsten und längsten Feiertage. Die Bedeutung von Weihnachten und den damit verbundenen Bräuchen und Ritualen noch viel traditioneller und familienbezogener als es in vielen deutschen Haushalten geschieht. Es ist auch das Fest der Rückbesinnung und Beschaulichkeit.

    Der Ordnung halber: Nicht alle Schweden feiern traditionell und schmeißen ihren Weihnachtsbaum aus dem Fenster, aber der Werbespot ist dennoch sehr unterhaltsam und entlockt einem ein Lächeln.