• Norrbotten

    Hoch oben im Norden Schwedens befindet sich die ebenso idyllische wie kontrastreiche Region Norrbotten. Norrbotten zählt zu den historischNorrbottenen Provinzen - schwedisch „landskap“ - die im Mittelalter eigenständige Rechtsgebiete waren. Dementsprechend kann auch Norrbotten auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken. Die Region grenzt im Osten und Norden an Finnland, im Westen an Lappland bzw. Norwegen sowie im Süden an die schwedische Provinz Västerbotten. Norrbotten liegt direkt am Meer und verläuft mit seiner östlichen Grenze entlang der Ostsee. Vor der Küste befindet sich ein bis zu 40 Kilometer breiter Schärengürtel. Doch auch wenn sich Norrbotten direkt an der Küste befindet, herrscht hier ein kontinentales Klima vor. Die Temperaturen schwanken jedoch im Laufe eines Jahres sehr stark. Im Juli beträgt die mittlere Temperatur etwa 15° C, während es im Winter mit bis zu -20° C sehr kalt werden kann. Mit durchschnittlich 400 bis 600 mm/Jahr regnet es vergleichsweise wenig.

    Heute gehört die Landschaft zur Provinz Norrbottens län, die nicht nur die historische Landschaft umfasst, sondern auch einen Teil Lapplands mit einschließt. Aus diesem Grund befindet sich im eigentlich flachen Norrbotten mit dem 2.111 Meter hohen Kebnekaise sowohl der höchste Berg wie mit dem 232 Meter tiefen Hornavan der tiefste See Schwedens. Insgesamt macht Norrbotten etwa ein Viertel der Gesamtfläche Schwedens aus und ist damit die größte Provinz des nordischen Landes. Allerdings leben hier nur sehr wenige Menschen: Auf einer Fläche von 98.911 km² wohnen etwa 248.391 Einwohner (Stand: 30.06.2012). Das sind lediglich 3 Einwohner pro Quadratmeter! Zum Vergleich: In Deutschland zwängen sich derzeit 230 Menschen auf einen Quadratkilometer (Stand: 30.09.2012). Die meisten Einwohner Norrbottens leben jedoch in den größeren Städten und Gemeinden wie beispielsweise Luleå (74.374 Einwohner), Piteå (40.967 Einwohner) oder Kiruna (23.030 Einwohner), um nur einige der bekanntesten Orte zu nennen. Doch auch wenn Norrbotten dünn besiedelt ist und der dort lebende Menschenschlag auf den ersten Blick unnahbar erscheint: Wer hierher kommt, erlebt nicht nur eine atemberaubende Landschaft, die größtenteils frei von irgendeinem menschlichen Einfluss zu sein scheint, sondern gewinnt auch treue und herzensgute Freunde. Anfangs sind die Nordschweden Fremden gegenüber recht zurückhaltend und misstrauisch, doch haben sie einmal Zutrauen gefasst, kann man sich unbedingt auf sie verlassen.

    Übrigens muss niemand hier oben auf Kultur und Wissen verzichten: Aus Norrbottens län stammen viele bekannte schwedische Musikbands, zudem finden regelmäßig Kunstausstellungen und Konzerte aller Art statt. In Luleå befindet sich zudem die renommierte Luleå Tekniska Universitet, die als nördlichste technische Universität Skandinaviens gilt und als solche Mitglied der Universität der Arktis ist. Die UArctic ist ein Zusammenschluss verschiedener Universitäten aus der ganzen Welt, die sich der Erforschung der Arktis widmen. Luleå ist zudem lutherischer Bischofssitz und zieht mit der sehenswerten Gammelstad zahlreiche Touristen an. Die Gammelstad ist ein sogenanntes Kirchendorf, also eine Ansammlung von Gebäuden um eine Kirche herum, und zugleich der alte Stadtkern Luleås. Diese Kirchendörfer waren in früheren Zeiten sehr verbreitet in Schweden, sind aber heute kaum noch erhalten. Demzufolge gehört die sehr gut erhaltene Gammelstad zum UNESCO-Welterbe.

    Ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören aufgrund ihrer einzigartigen Naturschönheit die Nationalparks Sarek, Padjelanta, Stora Sjöfallet und Muddus ebenso wie die Naturreservate Sjaunja und Stubba. Insgesamt befinden sich in der Weite der Provinz Norrbotten acht Nationalparks: Peljekaise in der Region Arjeplog, Sarek und Padjelanta in der Gemeinde Jokkmokk sowie Muddus und Stora Sjöfallet in den beiden Gemeinden Jokkmokk und Gällivare. Zudem gibt es noch die Nationalparks Vadvetjåkka und Abisko in Kiruna sowie den Haparanda Schärengarten in der Gemeinde Haparanda. Insgesamt sind 2.539.000 Hektar Natur in der Provinz Norrbotten geschützt. Das entspricht etwa 23 Prozent der gesamten Landfläche der Region, wovon der größte Teil auf Naturschutzgebiete und -reservate entfällt. In ganz Schweden liegt die Quote lediglich bei etwa 11 Prozent. Durch diese Gebiete führen einige der beliebtesten und schönsten Reise- und Wanderrouten Schwedens, so beispielsweise der Silberweg, die Inlandsstraße sowie die Fernwanderwege Kungsleden und Nordkalottleden.

    Die Region ist, obwohl recht abgelegen, verkehrstechnisch sehr gut erschlossen. Etwa neun Prozent des schwedischen Wegenetzes entfällt auf Norrbottens län. Die wichtigsten Verkehrsverbindungen bestehen in der Eisenbahn, die sowohl für den Tourismus als auch für den Transport von Gütern große Bedeutung hat, im Schiffsverkehr (Luleå und Piteå sind dank Eisbrechern ganzjährig mit dem Schiff erreichbar) sowie im Flugverkehr. Norrbotten verfügt über fünf Verkehrsflughäfen, wobei von Luleå aus auch internationale Verbindungen, etwa nach Finnland und Russland, starten. Die Wirtschaft der Region fußt vor allem auf dem Tourismus sowie auf der heimischen Industrie wie beispielsweise dem Stahlwerk SSAB Luleåverken.